Bunte Grabsteine

Jan

Nach der Überlebendensuche in dem Kohlendepot, das mal unser Bandraum war, hatte ich eine besondere Hoffnung: daß die evakuierten Gitarren-Effektpedale noch funktionieren könnten. Weil sie einfach noch vergleichsweise gut aussahen, und weil es teure Geräte sind, die zum Teil in Europa gar nicht zu bekommen sind.

 

Verschüttet von Schrott und Asche, waren die Pedale natürlich völlig verdreckt. Erstmal war also gründliches Putzen angesagt. Ich war recht beeindruckt davon, wie gut ihr Zustand äusserlich tatsächlich noch war! Und daß die bunten Metallkästchen ihre ursprünglichen Farben behalten hatten - alles andere war ja nur noch schwarz. Unten am Boden, wo beim Brand die Hitze etwas geringer ist, waren sie also glimpflich davongekommen. Weitere Effektpedale, die im Regal gelagert waren, sind hingegen völlig zerstört. Doch jetzt, während ich die gereinigten und strahlenden "Fusstreter" zum Trocknen legte, war ich ziemlich guter Dinge, daß diese überlebt haben könnten.

 

Dann der spannende Moment, aufschrauben und reingucken: wie sehen die Teile von innen aus?

Nicht gut. Ich öffnete ein Effektgerät nach dem anderen, und immer das gleiche Bild: alles soweit sauber, optisch unversehrt, aber auf den zweiten Blick überall geplatzte Kondensatoren. Durch die Hitze ist das Elektrolyt ausgelaufen und hat sich auf den Platinen verteilt. Ein guter Tüftler würde wahrscheinlich die Platinen gereinigt, und die Elkos ausgetauscht kriegen, aber bei der Anzahl - was für ein Aufwand! Und ob sie dann wieder funktionieren ist immernoch fraglich.

Die enttäuschende Erkenntnis: die Effektpedale, die meinen Gitarrensound prägten, sind nur noch bunte Grabsteine.

 

R.I.P.