Das schwarze Loch

Jan

Eidelstedt am 19.12.2016, nicht mal 5 Uhr morgens, Heik schläft tief und fest als es an der Tür Sturm klingelt. Polizei, es brennt im Bunker, Schlüssel einpacken, Jacke, los mit Blaulicht, 12 Minuten später am anderen Ende der Stadt: die Feuerwehr öffnet den Raum, Rauch quillt aus dem Bunker, kurz darauf fliegen Dämmplatten und Kram aus dem Fenster, eine Kühlbox mit unverwechselbarem Design: die gehört uns, es wird Gewissheit: es ist unser Raum der brennt.


7 Uhr morgens, Altona, ich schlafe noch, mein Telefon klingelt, Heik: Im Proberaum brennt's. Kaffee, Jacke, los.
Wir stehen vor dem Bunker, und schauen der Feuerwehr beim wuseln zu, und warten auf Infos. Was frühstücken gehen, dann stößt Meesha zu uns. Zynismus macht sich breit, Unglaube und Ratlosigkeit. Stunden später rückt die Feuerwehr ab, mit dem Kommentar: "Da drin ist alles Schrott".

Wir ziehen uns zurück an den Tresen des "Hummel & Quiddje", und lassen sacken, ziehen Bilanz. Was war alles im Raum? Gitarren - die Tele, die Les Paul, die Ibanez, die Strat. Bässe, 4-Saiter, 5-Saiter. Das Schlagzeugkit. Die Verstärker, Orange, Sovtek, der Bassamp, die Boxen, Gesangsanlage, Mikrofone, Abhörboxen, Mischpult, der Aufnahmerechner. Die Aufnahmen. Keyboard, Percussions, Effektgeräte, Audiowandler, Kilometer Kabel, Ersatzteile, Zubehör und Kram, undundund, und Knot "Mr. Band" das Maskottchen - tot! 
Wir schreiben eine Liste und kommen auf rund 19.000€.

Zwei Tage später ist die Brandermittlung fertig, und wir dürfen zurück in den Raum, in dem wir seit 2009 proben, unsere Songs schreiben, Aufnahmen machen und Spass haben, diesmal um den "Schrott" zu sichten. Unser Raum: ein schwarzes Loch. Die verkohlten Dämmplatten hat die Feuerwehr schon entfernt, dadurch sind die Betonwände noch erstaunlich hell. Alles wurde auf eine Seite geworfen, Trommeln, Boxen, entstellte Gitarren, die erste Erkenntnis: alles ist im Arsch. Und es stinkt bestialisch.

Stück für Stück wühlen wir uns durch den schwarzen Schutt, und dokumentieren, identifizieren durch Fotos unser Equipment. Ein Stück Gitarre, das Gerippe eines Keyboards, ein geschmolzenes Mikrofon, und so weiter. Ein paar Teile, die zwar völlig verdreckt, aber noch "am Stück" sind, packen wir in Müllsäcke und nehmen sie mit, und auch ein paar "Andenken".
Am Abend Lagebesprechung - was nun, wie geht es weiter? Keine Versicherung, der Vermieter haftet scheinbar auch nicht für's Inventar. Bei jedem Foto das ich mir anschaue breche ich in diabolisches Lachen aus, und kann nicht mehr, Reizüberflutung, Tilt.

Doch manche Teile sehen auf den Fotos gar nicht mal sooo zerstört aus! Bevor der Raum endgültig geräumt wird, wollen wir nochmal hin. 

Aber erst kommt Weihnachten, Pause, wir sehen uns wieder im neuen Jahr.